Boah, was ein geiler Tag! Wenn ein richtig guter, aber zugegeben doch recht optimistischer Plan noch besser aufgeht,…
… dann kann die Planende ihr Glück kaum fassen. 😊

Eingeladen war zu „mal einem anderen Ausflug“. Aus tiefer Dankbarkeit für das Flugliebe-Hike&Fly-Wochenende 2025 in der Pfalz, das in mir in Kopf und Herz richtig was lostrat an positiven Gedanken und Emotionen, das mich ermutigte und geradezu beschwingte, lud ich ein zu einem Ausflug mit klarem Schwerpunkt „Hike“ rund um den Baden-Badener Ortsteil Lichtental und einer integrierten erträumten „Fly“-Option vom Merkur. In der entsprechenden Flugliebe-WhatsApp-Gruppe sammelten sich schnell 14 Interessenten. Von denen treten am Ende 6 auch real an - nun ja, bissle Schwund ist ja immer. 😉
Treffpunkt ist an einem strahlend schönen Samstagmorgen im April um 9 Uhr an der Talstation der Merkurbahn. Dort laden wir alle unser Fluggeraffel in Katjas Womo – Katja und Micha haben volles Engagement bewiesen und sind von Hessen aus mit ihren Schlafkarossen angefahren.

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Mit den restlichen Fahrzeugen shutteln wir um auf den kostenfreien Parkplatz am Start/Ziel der Wanderung. Dort angekommen will ich Wandermaus auch gleich losstratzen, aber Katja schlägt eine Vorstellungsrunde vor. Zugegeben eine högschd sinnvolle Idee, also setzen wir die natürlich auch um. Und das ist nun echt interessant, denn es stellt sich u.a. heraus, dass von uns 6 genau niemand jemals zuvor vom Merkur geflogen ist - nicht einmal Felicitas, die immerhin in Baden-Baden arbeitet. Na, mal sehen. Die Windprognose ist bislang nicht mal semibrauchbar - aber immer schön Step by Step.
Konzentrieren wir uns einfach erst mal auf den Wandergenuss, auf den Frühling, das herrliche Gezwitscher, auf Begegnung und gute Gespräche unterwegs, auf die Freude, eine wunderbare Landschaft zu erlaufen, aufs Rauskommen und Durchatmen.

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Auf und ab rundum (und durch) BAD Lichtental geht’s, wie in der Ausschreibung versprochen, „mit wunderbaren, stets neuen Ausblicken auf Schwarzwaldhügel, Orte und prächtige Bauten“

Zu den prächtigen Bauten wie Schloss Seelach und der Villa Stroh hab ich die ein oder andere interessante Info ausgegraben und gebe sie unterwegs dosiert zum Besten, und so gelangen wir gut unterhalten und noch besser gelaunt zum frühen Mittagsvesper im Obstgut Leisberg. Dort beglückt uns Tanja mit besonderem AllerlEI – im Hintergrund ist übrigens wieder mal der Merkur zu sehen. Dort dominiert noch immer irgendwas zwischen Ost- und Nordwind. Wir brauchen West, aber das nur so nebenbei.

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Vom Vesper gestärkt schaffen wir locker einen weiteren Kilometer Wegstrecke über die Klosterwiese, wo vor 2 Jahren mal ein Sportflieger notlandete (und nach der Reparatur seines einzigen Triebwerks auch wieder abhob), hinunter ins Kloster Lichtental, wo wir auf 12 einen Nachtisch-Termin im hochcharmanten Café Lumen gebucht haben. Wäre genau das Richtige für Thomas, das ist doch so ein Süßer…

Die nächsten Aufgaben: Flanieren entlang der Lichtentaler Allee wie die Schönen und Reichen. Im Dahliengarten Tulpen bestaunen (was denn auch sonst). Einen kurzen Blick in die von außen scheußliche, von innen aber absolut erstaunliche St.-Josefs-Kirche werfen. Das Wald-Café durchschreiten, und zack, pünktlich auf 13.59 Uhr laufen wir am Landeplatz des Merkur ein. Dort erwarten uns schon Antonia und Franzi. Antonia ist eine Schwarzwaldgeier-Frau. Sie hat sich spontan bereit erklärt, für Anke einzuspringen, die ursprünglich unsere Einweisung ins Fluggelände hatte übernehmen wollen. Aber mehr noch: Antonia hat von Mann und Kind frei gefragt und ist von Linkenheim aus eine ¾ Stunde hergefahren, OBWOHL der Wind noch immer nicht passt. Was für ein großartiges Engagement!!

Nach Antonias Landeplatzeinweisung finden diejenigen von uns, die das Gelände irgendwann zuvor zumindest schon mal angesehen und für dezent gruselig befunden hatten, alles doch irgendwie machbar. Und wer kann, der kann, also schnappen wir uns unsere Ausrüstung aus Katjas Womo, ziehen am Automaten der Merkurbahn einen Satz Fliegertickets und fahren inmitten eines HAUFENS von Ausflügler-Touris einfach mal zum Kegelgipfel empor. Die Bahn spuckt uns direkt auf dem Startplatz aus. Logischerweise nicht allein. Mit unseren fetten Rucksäcken ziehen wir hoffnungsfrohe Zuschauer an wie ein frischer Kuhschiss die Fliegen.
Von alldem unbeeindruckt erklärt Antonia mit einer Seelenruhe alles Wissenswerte zum Gelände.

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Und du glaubst es nicht. Derweil dreht mit göttlichem Timing der Wind auf West. Kurze Tüftelei, bis alle Funks passend eingestellt sind - und dann machen wir uns ruhig bereit und heben nach und nach alle 8 (6 + Antonia und Franzi) picobello gechillt ab in den Schwarzwaldhimmel über Baden-Baden. Hochgefühl!!!
Aber wir können nicht nur hoch, wir können auch runter. Alle kommen wir heile unten am Landeplatz an und freuen uns wie die Schneeköniginnen, dass der hehre Plan, unterwegs auf 16,5 km Wanderung einen Flug vom Merkur dazwischenzuschieben, allen falschen Windrichtungen zum Trotz tatsächlich derart perfekt aufgegangen ist. Für Micha war es zudem der erste Flug seit seinem schweren Flugunfall von vor über einem Jahr – unser aller Respekt!
Wolf kommentiert später mit dem Brustton der Überzeugung: „Wir von der Flugliebe können das!!“

Franzi kriegen wir an diesem Tag nicht mehr zu Gesicht, die ist im Himmelsblau nach Loffenau abgebogen. Antonia aber lässt sich nicht lang bequatschen. Sie informiert den Rest ihrer Familie, dass es bei ihr später wird, und schmeißt ihre Ausrüstung zusammen mit der unseren wieder in Katjas Wohnmobil, nachdem die daraus noch eine Runde gekühltes alkoholfreies Landebier für alle produziert hat. Ab hier laufen wir also zu siebt weiter. Dank der Ibu, welche Felicitas unterwegs aus ihrem Rucksack hervorgezaubert hat, kann auch der fußlädierte Micha die Tour wie geplant mit uns zu Ende bringen, hurra!

Ich hatte unserer Truppe versprochen, jetzt komme wanderstreckig der schönste Teil. Hab mir die Dramaturgie der Tour nämlich sehr gut überlegt – von oifach schee über Flug zu noch scheener. 😉 Los geht’s mit einer mega wohltuend freshen Kneipp-Einlage, um das ganze Adrenalin ein bisschen runterzufahren. Wir passieren die „Liegewiese“ an der Hässlich-Hütte und das Wildgehege, von dem aus wir den Merkur nochmal in voller Pracht emporstaunen können. Dann hoch zur Marienkapelle, von der aus man einen herrlichen Rundumblick hat – wow, da waren wir heute schon alles! Nach Marias Kapelle folgt die vom Josef, logisch.

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Und dann erreichen wir das besondere Highlight der Wanderung – das Friedrich-Eberts-Arboretum, das im untersten Bereich einen unerwarteten, ganz besonderen Schatz birgt: die bambusdurchschneiste und holzbohlenbeplankte „Teichrunde“, mit der hier sicher niemand rechnet. In launigen 1-minütigen Audioclips erzählt außerdem Wolfgang Eberts, der Sohn des Gründers, Spannendes und Lustiges zu einzelnen Pflanzen. Großartig!

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Nach der Teichrunde arbeiten wir uns im Arboretum wieder steil nach oben, und dann sind die rund 500 hm Aufstieg, die wir seit heute Morgen unter die Hufe genommen haben, geschafft.

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Ab hier geht es lauftechnisch im Prinzip nur noch bergab. Und das mit wirklich wunderschönen Aussichten und Rückblicken auf bereits aus anderer Perspektive Gesehenes, auf die Prachtbauten des Vormittags, die blühenden Wiesen und buntgrünen Schwarzwaldhänge.

Man darf es kaum laut sagen, aber inzwischen hat es ganz leicht angefangen zu nieseln. Absolut verrückt, dass wir ein derartiges Glück mit unserem Flug-Zeitfenster hatten!!
Der Laune tut die kleine Abkühlung selbstredend keinerlei Abbruch. Wieso auch, denn das allerletzte Wegstück hinunter zu den Autos ist ein absolutes Träumchen. Ein kleiner Weg über einen vorgelagerten Grasbuckel verliert sich langsam zum Wiesenpfad und passiert dabei ein paar wahrhaft majestätische Solitär-Bäume.

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Auf den allerletzten Metern wird der Graspfad zu einem fast felsigen, der wiederum mutiert zu einem winzigen Sträßchen am Steilhang, und unvermittelt hastunichtgesehn stehen wir unten direkt an unseren Autos.
Zurück zum Parkplatz an der Merkur-Talstation sind es keine 10 Minuten zu fahren. Als jeder seine Ausrüstung dort wieder in Empfang nimmt und wir uns um 19 Uhr nach einem langen, wahrhaft erlebnisreichen Tag voneinander verabschieden, steigert sich der Niesel zum Regen. WAS FÜR EIN TIMING!

Später abends wird die WhatsApp-Gruppe von Fotos und Videos geschwemmt. Irgendwie sind wir alle glaub ein bisschen emotional… Tanja schreibt:
„Hallo liebe Wander-Flugliebende,
ich danke euch für diesen schönen Tag. Begegnungen, die bereichern, traumhafte Ausblicke, verwunschene Pfade, Infos zu besonderen Orten, ein Fluggebiet kennen lernen, wohlfühlen in Gemeinschaft und als Sahnehäubchen ein toller Flug. Das durfte ich heute mit euch erleben.
Liebe Sonja, du hast das möglich gemacht. Ich danke dir sehr.“

Und Wolf: „Du hast uns eine sehr liebevoll und aufwendige Wanderung in wunderschöner Natur/Kultur mit soooo lieben Menschen ermöglicht! Danke!“
Ich selbst fand’s einfach klasse – ein perfekter Tag. Drum lautet mein Ausblick:

„Vielleicht wiederhole ich irgendwann genau das identische Angebot (ev. einfach u einer anderen Jahreszeit). Das Feedback heute war angemessen ermutigend. 😃. Die Kombi der geilen Gegend mit der Bahn zwischen LP und SP ist halt schon absolut perfekt für ein solches Unterfangen.
 Das hab ich mir gut ausgedacht 😃."

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Und ich denke so bei mir:
Perfekt war der Tag für mich persönlich unter anderem deshalb, weil ich zu denjenigen zähle, die den Merkur bislang immer innig gemieden haben. Bei der Vorbereitung dieser Wanderung bin ich im Laufe der letzten Jahre mehrfach am Landeplatz vorbeigekommen. Und gehörte zur Fraktion derer, die ihn aus eher diffusen Gründen bissle gruselig fanden. Nachts vor der Tour im Bett und auch noch den ganzen Morgen beim Laufen war ich ehrlicherweise echt wenig davon überzeugt, dass ich am Ende des Tages sagen können würde „Ich bin vom Merkur geflogen!“
Aber a) Antonia und b) der Rest meiner heutigen „Wir von der Flugliebe können das!!“-Truppe haben mich durch a) ihre Kompetenz und b) ihre schiere freundliche Anwesenheit ermutigt, und siehe da: ging. Ging nicht nur, sondern mein Start und mein Flug waren richtig gut. Die Landung weniger (😅) - aber sie war vollkommen ungefährlich. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und weiß nun, woran’s lag. Daran kann ich jetzt ja getrost bei Gelegenheit weiterüben.

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Ist nicht genau das eines der Ziele von Flugliebe? Einander ermutigen, durch Kompetenz und gemeinsames Teilen von Gelingen und Scheitern, durch Lachen und Erzählen und ein menschenfreundliches Wohlwollen einander gegenüber, das den und die andere in seinen/ihren Eigenheiten anerkennt und wertschätzt?
Übrigens, was ich an sehr vielen Flugliebe-Mädels und Jungs inzwischen immer wieder festgestellt habe: Wir können über uns selbst lachen. Und das hat, wie ich finde, richtig Kraft. Ein bisschen Leichtigkeit – herrlich; viiiiel besser und entspannter und hilfreicher als jedes Plustergehabe.
Das haben wir echt gut gemacht, alle miteinander! Da capo! 

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